All I want is what you want
I’m always waiting for a red letter day
Like Christmas morning, when you’re a kid
Admit you love me and you always did
Baby, I’m hoping for that red letter day – today
(aus: A Red Letter Day, Tennant/Lowe, 1996)
… oder: Wie ein Traum wahr wurde und es uns mit jeder Menge Herzklopfen – nach einer nervenaufreibenden Odyssee vom Berliner radioeins-Studio nach Potsdam-Babelsberg via S-Bahn, Trampen, Beine in die Hand nehmen und… Rennen! – gerade noch rechtzeitig gelang, Neil Tennant und Chris Lowe als zwei sympathische und normal gebliebene Menschen live und in Farbe zu erleben.

Chris Lowe, Steven, eure verrückte Bloggerin, Neil Tennant, Michael
Hui, ich weiß gar nicht so recht, wie und wo ich anfangen soll… soo viele Eindrücke… und es kommt mir immer noch so unwirklich vor… doch ganz langsam beginne ich zu realisieren, dass das wohl alles passiert ist – und wir sie tatsächlich getroffen haben. Dabei hätte ich mich um ein Haar nicht getraut; zum Einen, weil ich für Herrn Tennant doch noch ein bisschen mehr als bloße Sympathie empfinde (Punkt, Punkt, Punkt, *räusper*), zum Anderen hatte ich die Befürchtung, dass mein Bild von den beiden eventuell negativ mit der Realität kollidieren könnte; und darüber hinaus ist es schlicht und einfach auch unheimlich aufregend, die Mitglieder einer seiner Lieblingsgruppen in natura zu sehen – und wen könnte ich gerade lieber sehen wollen als die beden Junx?! ;-)
Hier ein kleiner Bericht in 7 Szenen mit dem wörtlich zu nehmenden Titel:
I wouldn’t normally do this kind of thing! (Lachen erlaubt und erwünscht)

Szene 1: 30. März, nachmittags. Ich erfahre, dass die Pet Shop Boys am 31. März um 15 Uhr einen Interview-Termin bei radioeins haben. Da ich das Angebot, die beiden am 1. April bei Radio Hamburg zu treffen aus zeitlichen Gründen leider nicht wahrnehmen kann, freue ich mich riesig über die (neue) Gelegenheit, sie hier, in Berliner Gefilden, live erleben zu können, gleichzeitig steigt aber auch meine Aufregung ins Unermessliche. Abends führe ich (bis in die Nacht hinein – hallo Felix! ;-)) mehrere Telefonate mit Freunden, die unisono der Meinung sind, dass ich mich trauen und die Chance wahrnehmen soll: „Du gehst da hin, Nadja! – Du wärst ja bescheuert, wenn nicht…!“
Szene 2: Nach einer nicht sehr schlafreichen Nacht werde ich schon relativ früh durch die herrliche Sonne, die den ganzen Raum mit Licht durchflutet, wach. Ich bin gar nicht mal besonders müde, vielmehr rast mein Herz vor Aufregung. Das Abitur und sämtliche Dates waren nichts dagegen! Ich muss über mich selbst lachen, mache mir englischen Frühstückstee und hüpfe unter die Dusche. Lustigerweise habe ich dabei einen Ohrwurm von „Rehab“ in der Version von Amy Winehouse. Essen, Anziehen und Zurechtmachen laufen wie in einem Film ab. Ich packe schnell meine Sachen zusammen und hoffe, dass ich die beiden, sollte ich sie denn tatsächlich zu Gesicht bekommen, nicht mit meiner großen Kamera verschrecke. Haustür zu, rein in den Bus zum Zoo, dann in die S-Bahn bis zur Friedrichstraße. Dort, so denken wir, werden sie im Berliner radioeins-Studio beim Admiralspalast sein. „Die fahren doch bestimmt nicht extra nach Potsdam…“, ist der allgemeine Tenor.
Szene 3: Ich treffe Steven bei traumhaftem Frühlingswetter vorm Admiralspalast. Es ist ca. 14 Uhr. Also noch genug Zeit, bis die beiden eintrudeln sollten. Wir setzen uns in den Hof, quatschen und halten dabei Ausschau nach den Junx… Die Minuten vergehen, doch statt Neil und Chris sehen wir nur wichtige Mitarbeiter und fotografierende Touristen. Allmählich kommt uns das Ganze komisch vor. „Die werden doch nicht in Potsdam sein?!“ Wir warten noch brav bis 15 Uhr… – nix! Kurz danach erfahren wir schließlich vom Hausmeister, dass das Pet Shop Boys-Interview „natürlich“ im Studio in Potsdam stattfindet. Ach, du Sch…!!! Während Steven nach dieser ärgerlichen Gewissheit der Mut verlässt (=> „Nach Potsdam bis 16 Uhr – das schaffen wir nie!“), packt mich auf einmal, wer hätte das gedacht, der Ehrgeiz. „Auf nach Potsdam, mit der S-Bahn, das schaffen wir!“ Steven ist drauf und dran, nach Hause zu fahren, woraufhin ich ihn einfach rigoros mit zur S-Bahn-Station Friedrichstraße schleife ;-), wo gerade eine S-Bahn Richtung Potsdam einfährt.
Szene 4: „Komm, das schaffen wir!“ Ich stehe mit Herzklopfen in der Tür, während Steven noch schnell einen Fahrschein löst. Nach einer kurzen Verschnaufpause machen wir uns während der Fahrt per Handy im Internet schlau, wo genau das radioeins-Studio in Potsdam ist. Ich rufe noch Andreas an, der uns schon mal den Weg von der Station in Babelsberg aus beschreibt. (Vielen Dank nochmal an dieser Stelle!) Die Zeit ist zwar knapp, aber das Ganze scheint machbar. Jetzt müssen wir nur noch irgendwie „runterkommen“… Ich hole meinen mp3-Player raus, und wir hören „To face the truth“, einen Song, den Steven immer als beruhigend empfindet. Da mich in diesem Moment allerdings der Text stört – „It hurts so much to face the truth“ – und der 31. März ja doch noch ein Glückstag werden soll, wechseln wir sinnigerweise zu „A red letter day“, und weil natürlich auch „It’s alright“ ganz passend ist, schieben wir den optimistisch hinterher. Die letzten Stationen (Wannsee usw.) ziehen sich, dafür ist das Wetter draußen seit Langem mal wieder schön, was zur Entspannung beiträgt. Das Gefühl, dass wir doch noch Glück haben könnten, wächst. Wir mampfen ‘ne Banane und schmunzeln über uns selbst.
Szene 5: Potsdam-Babelsberg, endlich sind wir da! Es ist ca. 15:45 Uhr – also noch 15 Minuten, bis die beiden mit dem Interview fertig sind! Wir rasen aus dem S-Bahnhof, ich noch mit der Banane in der Hand. ;-) Das Studio, das sich laut Info auf einem großen Gelände befinden soll (Andreas: „Könnte auch alles abgesperrt sein.“), ist doch weiter weg, als es auf der Karte den Anschein macht. Wir rennen und rennen – allmählich wird es mit den dicken Jacken doch sehr warm – und fragen Passanten nach dem Weg, treffen aber insgesamt auf Ahnungslosigkeit. Die Zeit verrinnt unerbittlich. Kein Taxi weit und breit. „Lass uns’n Auto anhalten und uns von jemandem hinbringen lassen“, keuche ich zu Steven. An einer Kreuzung sprechen wir eine freundlich aussehende Fahrerin an. Steven bietet ihr 20 Euro, wenn sie uns schnell zum Mediengelände bringt. Sie ist einverstanden; wir hüpfen ins Auto: Das Rennen gegen die Zeit beginnt! Ich schaue schon gar nicht mehr auf die Uhr. Alle zusammen achten wir auf die Straßenschilder – und plötzlich die Erleichterung: Marlene-Dietrich-Allee, hier muss es sein! :-) Die Fahrerin lehnt das Geld ab und gibt uns zu verstehen, dass sie sich freue, uns eine Freude gemacht zu haben. Das hat sie in der Tat! „Hoffentlich finden wir das Studio schnell!“ Wir nehmen noch einmal die Beine in die Hand (es ist schon erstaunlich, zu welchen physischen Höchstleistungen man in solchen Situationen fähig ist…) und flitzen zu einem der Eingänge.
Szene 6: Kaum zu glauben, es ist der richtige: radioeins! Und genau davor steht ein dickes schwarzes Auto! „Das sind’se – und sie sind noch da!“ Wir jedenfalls sind völlig aus der Puste von der ganzen Rennerei und leider auch leicht verschwitzt. „Gut, dass ich eben frisch geduscht und mein Midnight Poison aufgetragen habe“, denke ich mir schmunzelnd, während ich meinem trockenen Hals etwas Wasser gönne. Steven holt ein Deo raus (David Beckham, wenn ich mich nicht täusche), und weil sicher eben sicher ist, lasse ich mich auch noch schnell ansprühen. Ist zwar ein Herrenduft, aber sei’s drum. Die beiden wird’s nicht stören… ;-) Ich werfe meine Jacke über einen Pfosten – und auf geht’s Richtung Eingangstür. Ehe wir mit „pethead“ Michael, der ebenfalls auf die beiden wartet, richtig ins Gespräch kommen können, sehe ich schon von Weitem Neil Tennant durch die Glasfenster. Ich klammere mich um Stevens Arm. Mir rutscht das Herz in die Hose!

Szene 7: Es ist soweit (jetzt gibt es kein Zurück mehr): Der „Traum meiner schlaflosen Nächte“ (*zwinker*) kommt durch die Glastür auf uns zu und sagt mit sanfter Stimme: „How are you doing? Isn’t it a lovely day?“ Von nun an läuft für mich alles wie in Trance ab. (Danke daher, Steven, für den genauen Wortlaut – hatte ich nicht mehr im Kopf, weil ich so aufgeregt war. „Great weather!“ kam dann wohl von mir… *lach*) Ich erzähle ihnen von unserer kuriosen Anreise, Neil begutachtet unsere CDs, DVDs und Platten und stellt dabei fest, dass er die „Home and dry“-Vinyl gar nicht besitzt, Chris meint über meine Kamera „looks very professional“, und dann signieren die beiden ruhig und freundlich alles, was wir ihnen hinhalten. Chris wirkt beruhigend auf mich, sehr relaxed. Beide machen einen natürlichen, angenehmen Eindruck. Fast vergesse ich das Erinnerungsfoto. Steven und/oder Chris (Steven, wie war das nochmal genau??) weisen mich darauf hin. Ich drücke dem Fahrer (?) der beiden meine Kamera in die Hand und stehe, ehe ich mich versehe, direkt neben Neil, ganz dicht, schwankend zwischen Euphorie und peinlicher Berührtheit. Der Fahrer-oder-whatsoever fummelt an meiner Kamera rum, während wir alle in der Sonne stehen und auf den *Klick* warten. Die ganze Situation erscheint so unwirklich. Ich spüre meine Hand auf Neils Rücken/Taille, sein Pullover ist Kashmir-zart. ;-) Die beiden müssen los, haben noch einen weiteren Radio-Termin in Berlin-Steglitz bei Thomas Koschwitz. Wir verabschieden uns. Steven sagt noch schnell, dass wir in Berlin beim Konzert dabei sind, und ich rufe, da ich auch das Konzert in London besuchen werde: „CU in London!“

… und so ist doch noch alles gut ausgegangen. Was für ein Tag!
Bekloppt, aber toll. ;-)