„Urbane Badekultur auf hohem Niveau“ – ein Slogan, der stressgeplagte Großstädter mit Wellness-Faible aufhorchen lässt. Auch die Internet-Präsenz der unweit vom Potsdamer Platz gelegenen Therme im Tempodrom sieht überaus einladend aus. Das Liquidrom verspricht nicht nur Entspannung, sondern darüber hinaus gar ein Abtauchen in „eine Wasserwelt der Sinne in einer fremden Galaxie“. Völlig losgelöst also – das hatte mich neugierig gemacht.

© Liquidrom – http://www.liquidrom-berlin.de
Glücklicherweise hatte ich von Julia und Pelle einen Gutschein „1 Tag Sauna & Therme“ zum Geburtstag geschenkt bekommen (vielen Dank nochmal), denn der Preis von 22,50 Euro für die Tageskarte ist schon ganz ordentlich, auch wenn die Website dafür mit dem Erleben der „Schwerelosigkeit im flüssigen Klang“ lockt. Was aber verbirgt sich hinter diesen ätherisch-anmutenden Worten? Dem bin ich am Wochenende vor meiner Klausurphase Mitte Juli mit Silvio mal nachgegangen. Das kühle Regenwetter lud förmlich dazu ein, den Abend in der Therme zu verbringen.
Nur ein paar Schritte von der U-Bahnstation Möckernbrücke entfernt liegt die Badewelt des Liquidroms, von außen recht unscheinbar, doch gut zu erkennen an einem leichten Chlorgeruch in der Luft. Lustigerweise antwortet die Dame an der Kasse auf meine Frage nach dem Chlorgehalt des Wassers, dass es sich lediglich um Sole, ungechlortes Salzwasser, handele. Hmm. Die Umkleidekabinen sind recht geräumig. Alles ist bewusst schlicht gehalten, fast minimalistisch. Offene Übergänge zwischen Damen- und Herrenbereich, teils etwas unübersichtlich. Schließlich aber finden wir ihn, den Eingang in die „Wasserwelt der Sinne“.

© Liquidrom – http://www.liquidrom-berlin.de
Gespannt, was sich dahinter verbirgt, fällt mein Blick beim Betreten des ebenso urban-kühl gestalteten Innenbereichs zunächst auf den nackten Hintern eines muskulösen, komplett rasierten Mannes, der es sich, umgeben von zwei anderen Herren der Schöpfung, allesamt pudelnudel, auf einem Liegestuhl bequem gemacht hat. Auf der rechten Seite die Theke. Man kann Bionade trinken und kleine Snacks essen. Links der Saunabereich, der erstaunlich klein ausfällt. In der Mitte Liegemöglichkeiten und ein kleiner Außenbereich mit Holzboden, Pflanzen und einem japanischen Onsen-Becken (auf Grund seiner Größe würde ich es eher Bonsai-Becken nennen). Dahinter, fast versteckt, eine unscheinbare Tür, auf der nur ein Wort steht: Schweigen. Wir treten ein und gelangen in einen abgedunkelten Raum, die Kuppelhalle. Wir sind umgeben von leiser, fast sphärischer Musik, dem Zwitschern tropischer Vögel und bunten Lichtspielereien, die sich auf dem Wasser spiegeln und immer wechselnde Bilder auf die nüchternen Wände projizieren. Das Wasser ist angenehm warm. Durch den hohen Salzgehalt kann man sich entspannt treiben lassen. Im Zenit des Raums, direkt unter der Kuppel, schaut man durch ein großes Fenster in den Himmel. Langsam wird es Nacht. Eng umschlungene Paare küssen sich. Andere Besucher schweben mit geschlossenen Augen auf den „fließenden Farben“.
© Liquidrom – http://www.liquidrom-berlin.de
Nach so viel Entspannung ist es Zeit für mich für den ersten Saunagang. Das Liquidrom hat eine klassische finnische Sauna, der Aufguss findet zu jeder vollen Stunde statt. Der Saunameister, um die 60, sportlicher Typ, macht einen gut gelaunten und entspannten Eindruck. Vor dem großen Aufguss schüttet er behutsam jedem, der mag, Salz mit einer Holzkelle in die Hände – zum Einreiben. Mit diesem Ganzkörper-Peeling geht es dann in den „Schwitzkasten“: Es ist eng, man sitzt bzw. liegt dicht an dicht, doch durch die jungen, ansehnlichen Menschen beiden Geschlechts – kaum einer erscheint älter als 35 – gestaltet sich das Ganze durchaus erträglich. (Hier schwitzt wahrlich kein Querschnitt der allgemeinen Bevölkerung.) Die Atmosphäre ist angenehm – und die Haut hinterher wunderbar zart. Wem es beliebt, der kann sich vor dem nächsten Gang mit Honig einreiben, um das Rund-um-Verwöhnprogramm für die Haut zu komplettieren.
© Liquidrom – http://www.liquidrom-berlin.de
Anschließend singt Silvio noch „Because“ im sogenannten Omm-Klangbecken: Wahnsinns-Akustik, aber leider auch wahnsinnig eng, so dass eigentlich nur zwei, drei Leute darin Platz finden, und wahnsinnig kahle Kacheln, die für eine kalte, weitgehend unfreundliche Atmoshäre sorgen. Ja, und das ist schon (?) alles, was das Liquidrom zu bieten hat. An bestimmten Tagen gibt es zudem noch Live-Musik (von Harfe bis Sitar, von Electronica bis Klassik) und Kerzenromantik (Nacht der Lichter, immer freitags ab 19 Uhr). Massagen und dergleichen kosten natürlich extra (und das leider nicht wenig).
© Liquidrom – http://www.liquidrom-berlin.de
Fazit: Die Darstellung auf der Website verpricht mehr als das Liquidrom letztlich in natura halten kann. Die Fotografien sind sehr günstig, d.h. aus Perspektiven aufgenommen, die die Therme wesentlich größer erscheinen lassen als sie es tatsächlich ist. Das Publikum ist auffallend homogen: sportlich, körperbewusst und im Schnitt um die 30, kaum einer jünger als 20 oder älter als 50. Wer sich weder davon noch von den hohen Preisen abschrecken lässt und eine nicht allzu hohe Erwartungshaltung mitbringt (Stichwort: „Wasserwelt der Sinne“), der wird einen entspannten Aufenthalt im Liquidrom haben. Ich fand es insgesamt schön und interessant, das mal erlebt zu haben, ein zweiter Besuch ist jedoch erstmal nicht geplant.
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Liquidrom Berlin, Möckernstraße 30, 10963 Berlin, Telefon: (030) 2580 0782-0, geöffnet täglich von 10–24 Uhr, Freitag und Samstag bis 1 Uhr. 2 Stunden kosten 17,50 €, vier Stunden 20,50 €, die Tageskarte 22,50 €.