Die „Party“ ist nun endgültig vorbei. The summer’s gone and all the leaves are falling… ;) und das Wintersemester 2006/07 hat begonnen! Um uns ein bisschen darauf einzustimmen, hatten Susi und ich, obwohl wir ja längst alte Unihasen sind, beschlossen, die Immatrikulationsfeier zur Begrüßung der „Erstsemester“ am 18.10. zu besuchen. Studentische BigBand-Musik, jede Menge „Gratiszeug“, Journalistin und TV- Moderatorin Sandra Maischberger als diesjährige Gastrednerin und das anschließende Sekttrinken klangen verlockend… Also standen wir an diesem Mittwoch unmenschlich früh auf – d.h. so gegen 8 Uhr ;D – und machten uns auf den Weg zum großen Hörsaal 1a unserer (heutzutage nicht mehr ganz so) Freien Universität. Wir ergatterten recht gute Plätze; leider waren die besten, wie konnte es anders sein, für die Presse reserviert. Besonders gespannt waren wir auf Frau Maischbergers Festvortag, der vielversprechend als „Aufruf zur Leidenschaft“ angekündigt wurde. Nach der üblichen Lobhudelei und Schönfärberei seitens der Universitätsleitung, ein paar sehr wahren Worten eines Asta-Vertreters und gelungenen musikalischen Einlagen war es dann schließlich so weit: Sandra Maischberger begrüßt die Studierenden. Großer Applaus begrüßt sie.

Gleich zu Beginn ihrer Rede betont die Moderatorin, dass sie über ihre Einladung „eigentlich überrascht“ sei, da sie persönlich nicht länger als ganze drei (!) Tage studiert habe und lange Zeit sogar regelrechte „Anti-Akademikerin“ gewesen sei. Diesen Worten folgt – entgegen des schönen Titels – ein ausschweifender Bericht über verschiedene Stationen im Leben der Frau M., vor allem darüber, wie furchtbar ihre drei Tage an der LMU München doch gewesen seien und dass sie Angst gehabt habe, durch das Studium der Kommunikationswissenschaft ihr „natürliches Talent zur Kommunikation“ zu verlieren. Die langen, theoretischen Texte, mit denen sie schon am ersten Tag ihres Studiums konfrontiert wurde, seien einfach zu abschreckend gewesen. Ihren beruflichen Erfolg verdanke sie vor allem ihrer erfahrungsreichen Zeit an der Deutschen Journalistenschule München. (Sie hebt besonders hervor, wie schwer die Aufnahmebedingungen dort seien und dass sie unter „Tausenden von Bewerbern“ eine der 45 Glücklichen war, die genommen wurden.) Ein Studium an der Universität wäre womöglich sogar hinderlich gewesen, so Maischberger. Das Einzige, was sie verpasst habe, sei das akademische Viertel gewesen. (Eine Aussage, die – mit Verlaub – schon fast an Zynismus grenzt.) Ansonsten habe ihr die Tatsache, dass sie keine Akademerin ist, bis auf ein verwehrtes Volontariat beim BR keine signifikanten Nachteile beschert. Und der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, der in Kürze als Gastprofessor an der Uni Princeton tätig sein wird, habe nicht mal Abitur… (Fein – doch was will uns der Autor damit sagen? Was für Konsequenzen sollen wir daraus ziehen?) Zu unserer großen Freude geht sie dann schließlich doch noch auf das eigentliche Thema ihres Vortrags ein, wobei sie in erster Linie zum Ausdruck bringt, dass es „trotz der 12 Millionen Google-Einträge“ keine exakte Definition für den Begriff Leidenschaft gebe. (Aah ja!) Sie liest ein paar Zitate berühmter Leute vor und kommt dann zu folgendem Schluss, der, wie sie selbst zugibt, „eine Binse ist“: „Mit Leidenschaft ist die Liebe zur Sache, zum Beruf gemeint, sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder in der Wissenschaft – nur wer leidenschaftlich ist, kann exzellent sein.“ Neben dieser grandiosen Erkenntnis gibt sie den Studierenden noch einen sehr ermutigenden Tipp mit auf den Weg, bei dem Präsident Lenzen „mal kurz weghören“ soll: Sobald wir erkennen, dass wir unser Studium nicht mit insbrünstiger Leidenschaft betreiben, so sollen wir es lieber abbrechen. (Herzlichen Dank, Frau Maischberger, das ist wahre Motivationskunst! Wie überaus aufbauend auch für die „Erstis“!) Es ist nicht verwunderlich, dass der Applaus nach der Rede wesentlich verhaltener ausfällt als davor…

Nach der Rede…
Ich möchte diesen Eintrag mit einer kleinen Bemerkung schließen: Man kann nicht einerseits erwarten, dass sich junge Leute zielstrebig, flexibel und am besten noch gut gelaunt den immer größer werdenden Herausforderungen der heutigen Zeit stellen und sie andererseits aber immer wieder demotivieren, sei es durch solche Vorträge oder durch Festellungen wie „Ihr steckt in einem eisernen Korsett“ (Zitat: Susis Griechisch-Prof).
Danke fürs Zuhören! ;)